Wenn der Sattelprofi in den Stall kommt

Ich erlebe es immer wieder, dass selbsternannte Sattelexperten in den Stall kommen und absoluten Blödsinn von sich geben, nur um den Leuten einen neuen Sattel anzudrehen. Ich werde dann zu einem Sattelcheck gerufen, weil der erst 3 Monate alte Sattel irgendwie doch nicht so recht passt und der Kunde mit dem Sattelexperten (Sattelverkäufer) nicht mehr vernünftig komunizieren kann. Wenn ich dann noch feststelle, dass der Sattel von Anfang an nicht richtig gepasst haben kann, fallen die meisten Kunden aus allen Wolken. Für mich ist es nicht einfach dem Kunden zu sagen, dass der Sattelverkäufer wohl doch nicht ganz so sauber gearbeitet hat. Ich versuche es auch immer zu umgehen, da ich über Niemanden schlecht sprechen möchte. Irgendwann häuft sich aber Alles und nun habe ich mich entschlossen hier mal meine Meinung preis zu geben ohne Namen zu nennen oder Jemanden schlecht zu reden. Fehler machen wir Alle mal, die Frage ist nur ob wir sie bewusst oder unbewusst machen und ob wir daraus lernen.

 

In erster Linie möchte ich hier mal aufklären, dass die meisten Sattelexperten, die euch Sättel verkaufen, keine Sattler sind! Ich höre von den Kunden ständig, "mein Sattler" war da und hat mir den Sattel angepasst. Wie sich dann herausstellt war es kein Sattler sondern Sattelverkäufer und die Anpassung des Sattels bestand nicht in der Optimierung des vorhandenen Sattels sondern im Verkauf eines neuen Sattels.

Liebe Leute, eine Sattelanpassung ist, wenn der Sattel für das Pferd und den Reiter optimiert wird (angepasst). Das bedeutet, dass beim Englischen Sattel das Kopfeisen, die Kissen, die Gurtung und Pauschen verändert (verbessert) werden und beim Westernsattel direkt am Baum eine Passform modeliert wird (mit Leder, Filz, Neopren...), der Sattel gekürzt wird, die Gurtung optimiert, defekte Teile ersetzt werden usw. . Was ihr unter Anpassung versteht ist nichts weiter wie einen Sattel aus dem Regal nehmen und auf das Pferd legen. Dann schaut der "Sattelprofi" mit seinen Röntgenaugen ob der Sattel passt, fertig.

Es gibt meiner Meinung nach nur drei Varianten um einen Westernsattel auf einem Pferd auf seine Passform zu überprüfen.

 

Die Erste ist, wenn der Sattelverkäufer den nackten Baum aufs Pferd legt und dann den passenden Baum in den neuen Sattel einbauen lässt. Auch hier sollte man schauen, dass man Jemand seriösen erwischt. Ich habe leider schon öfters mitbekommen, dass ein Baum ausgewählt wurde der gepasst hätte, im Sattel dann aber ein anderer Baum verbaut war.

 

Die zweite Variante wäre den vorhandenen Sattel (also wenn ihr euren Sattel kontrollieren lassen wollt) auseinander bauen zu lassen um auch hier wieder den nackten Baum aufs Pferd legen zu können. Das wäre bei gebrauchten Sätteln von Nöten, da jeder Hersteller seine eigenen Bäume hat (es gibt weit über 200 verschiedene Bäume) und kein Verkäufer all diese an Lager haben kann. Gerät man jetzt an einen Sattelverkäufer, wird der sich sicher nicht die Zeit nehmen den Sattel auseinander zu bauen. Die Wenigsten wissen überhaupt wie das geht. Erwischt man einen Sattler hat man evtl. Glück, es sei denn er sieht mehr Sinn darin einen seiner neuen Sättel zu verkaufen.

 

Und die dritte Variante sind moderne Messsysteme. Sei es das einfache Messgerippe aus Metall, Equiscan oder Horseshape... . Diese bilden den Pferderücken nach und man kann dieses Modell dann in den Sattel hineinlegen um genau zu schauen wie die gesamte Auflagefläche ist. Hat der Sattel eine Brückenbildung, ist er zu eng im Schulterbereich, ist die Winkelung nicht die Richtige? Mit blossem Auge ist das Alles nicht erkennbar, es sei denn man hat einen Röntgenblick. Selbst beim Englischsattel sieht man den mittleren Teil von unten des Sattels nicht wenn er auf dem Pferd aufliegt und kann somit nicht sagen ob die Kissenwinkelung die Richtige ist, ob die Auflagefläche ausreichend ist und keine Brückenbildung entsteht. Der Vorteil an diesen Messsystemen ist, dass sie dem Sattler als Hilfsmittel dienen, damit er dann weiss, wie der Sattel angepasst werden muss wenn er in seiner Werkstatt liegt. Nun höre ich von vielen Seiten dass die Messsysteme nur das Pferd im Stand vermessen. Es gibt kein aussagekräftiges Messsystem was das Pferd in der Bewegung misst um dann aus den Resultaten einen Sattel bauen zu können oder anzupassen. Das auflegen der nackten Sattelbäume passiert auch im Stand des Pferdes. Passt ein Sattel im Stand nicht, wird er auch in der Bewegung nicht passen.

Es gibt die digitalen Messdruckmatten die als Zusatz sicher nicht verkehrt sind wenn es ein seriöser Sattelexperte durchführt. Leider lässt sich  Einiges manipulieren um dann einen Sattel als unpassend oder passend darzustellen. Wollt ihr wissen ob euer Sattel auch in der Bewegung keine Druckstellen verursacht, könnt ihr genauso gut ein Carola Pad bauen und habt Gewissheit dass nicht an den Daten manipuliert wird. Das Carolapad oder die Messdruckmatte allein, werden euch nicht sagen können, warum der Sattel zum Beispiel eine Druckstelle verursacht (weil der Sattel zu gross ist und somit anfängt zu klemmen, weil er zu eng ist, weil eine Brückenbildung da ist oder der Schwung des Sattels für das Pferd zu gross...).Und wie gesagt, kann der Sattler in der Werkstatt dann auch nichts mit dem Resultat anfangen, da er nicht weiss, warum eine Druckstelle entstanden ist. Dient also zum Sattelbau oder Anpassung wenig. Für den Sattelbesitzer ist es aber sicher interessant um nochmal eineabschliessende Bestätigung zu erhalten.

 

Des Weiteren solltet ihr euch mal überlegen, warum es "Sattelexperten" gibt, die gratis durch die Schweiz fahren und damit werben, gratis Sattelchecks anzubieten. Eigentlich sollte Jedem dann verständlich sein, dass diese Person früher oder später einen Sattel verkaufen muss (ob er nun passt oder nicht) weil es sonst ein Minusgeschäft ist. Habt ihr also einen Sattel einer Kollegin zum Probieren da und wollt ihn von diesem Sattelprofi auf seine Passform checken lassen, müsst ihr damit rechnen, dass nicht jeder Sattelexperte wirklich ehrlich zu euch sein wird.

Ich werde immer wieder darauf angesprochen, warum ich für die Messungen (Sattelchecks) Geld verlange. Ich arbeite damit und verdiene durch Sattelüberprüfungen und Sattelanpassungen meinen Lebensunterhalt. Da mein Auto nicht mit Salatöl fährt muss ich auch Anfahrtskosten verlangen (so wie jeder Handwerker oder Dienstleister es machen muss). Dafür komme ich nie in die Bedrängnis, meinen Kunden einen unpassenden Sattel zu verkaufen, weil kein Passender in Sicht ist und ich unbedingt Geld verdienen sollte. Ich glaube das unterscheidet mich von anderen Sattelexperten (Verkäufer) hier in der Schweiz worüber ich auch sehr glücklich bin. Ich biete ein breites Spektrum an Dienstleistung an. Ich vermesse eure Pferde und ihr selber seht vor Ort dank der modernen Technik, ob euer Sattel passend ist oder eben nicht. Wenn er nicht passt aber angepasst werden kann, erledige ich diese Aufgabe zusammen mit meinen Sattlern. Ich helfe euch geeignete Occasionssättel zu finden (so gut wie Möglich), Vermittle Sättel, Repariere sie und biete den Kunden die es wünschen Masssättel an. Und auch bei meinen Masssätteln unterscheide ich mich ganz klar von anderen Sattelverkäufern. Denn ein Masssattel wird komplett, also auch der Baum nach meinen Massen und auf Kundenwunsch gebaut. Es gibt Leute die kaufen einen Stangensattel, wo sie Farbe, Muster (Punzierungen) und evtl. Conchas selber bestimmen konnten, haben dann aber eigentlich keinen Masssattel. Es hört sich aber besser an wenn man sagen kann es ist ein Custom made. Liebe Leute, schaut euch im Internet um, schaut die Sattelinserate durch. Ihr werdet immer die gleichen Sättel (Marke und Modell) angeboten bekommen, Sättel von der Stange die entweder von Anfang an nicht passten oder nach drei Monaten nicht mehr weil das Pferd sich verändert hat. Nie findet sich ein guter Masssattel unserer hier heimischen Sattler im Internet zum Verkauf an als Occasion. Was denkt ihr warum das so ist? Ihr werdet auch keinen meiner Masssättel im Internet finden, weil ich dafür Sorge trage, dass diese Sättel regelmässig am Pferd kontrolliert werden und wenn sie nicht passen, angepasst werden. Das Märchen, Westernsättel seien nicht anpassbar kommt meistens (wie ist es auch anders zu erwarten) von den Sattelverkäufern. Für die rentiert sich diese Arbeit nicht, ein neuer Sattel verkauft sich doch viel besser und bringt mehr Geld ein. Ihr müsst aufhören, euch auf andere Leute komplett zu verlassen. Es gibt leider sehr viele schwarze Schafe in der Sattelbranche. Es ist für euch und eure Pferd nur von Vorteil, wenn ihr euch selber weiter bildet und Informiert. Nur dann könnt ihr die schwarzen Schafe herausfiltern und sie umgehen. Wir haben in der Schweiz noch einige sehr gute Sattler die ihr Handwerk verstehen. Bei den Sattelverkäufern ist es wie gesagt schwierig, da gibts leider Viele die entweder wenig Ahnung haben oder eiskalt auch mal unpassende Sättel verkaufen. Ich sage auch nicht, dass Jemand mit einem Messsystem das Nonplus Ultra ist. Auch hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Es gibt Welche die leider auch da wenig Ahnung und Erfahrung haben und Jene die zu ihren Gunsten die Messdaten manipulieren. Und ich behaupte auch nicht, ich sei perfekt. Sicherlich gibt es auch den ein oder anderen Kunden den ich nicht zufrieden stellen konnte. Also schaut genau hin, lernt dazu und lasst euch nicht leichtgläubig was einreden.

 

Wissenswertes über den Westernsattel  , Wissenswertes über den Englischsattel

 

Wenn der Sattel nicht passt

Hier ist ein kleines Comic welches ich mit ganz viel Ironie zusammen gestellt habe. Vielleicht erkennt der Ein oder Andere Situationen wieder die er so oder ähnlich schon erlebt hat. Also bitte nicht ganz ernst nehmen was darin vorkommt ;-)

Ich habe eine kleine Fotodokumentation erstellt über die Entstehung eines Westernsattels bei einem Meistersattler. Viel Spass beim Anschauen.